Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2019

Neunzehn Mal ein Opus 34

Mit Musikbeispielen macht Aka-Fachbereichsleiter Richard Weber-Laux Lust auf das „Hören jenseits der Gewohnheiten“

„Dass Spinat gut schmeckt, musste man ja erst lernen“, sagt Richard Weber-Laux. Er rät dazu, sich auch mit jener (klassischen) Musik zu befassen, die man beim ersten Hören eigentlich grauenhaft findet. Am besten, die Stücke drei- bis fünfmal komplett durchhören – erst dann hat man sie verstanden. „Achten Sie auf Ihr Körpergefühl“, ist ein weiterer kluger Tipp. Fußwippen, Speichel im Mund, wohliges Bauchgefühl: Musik hat fast immer Nebenwirkungen.

Mit seiner Veranstaltung „Hör-Art: Dreiviertel? Nein, op. 34!“ zeigte Richard Weber-Laux, wie man sich der Welt der Musik jenseits aller Gewohnheiten spielerisch annähern kann. Er hat dafür neunzehn Werke verschiedener Komponisten von 1781 bis 1947 ausgesucht, die alle die Bezeichnung „Opus 34“ tragen, und spielte im Aka-Vortragsraum davon einen jeweils zweiminütigen Ausschnitt vor. Manche Werke wurden in der Jugendzeit des Komponisten geschrieben, andere erst im Alter. Mit bis zu drei Äpfeln symbolisierte der Referent den jeweiligen „Reifegrad“. Erst ab Mitte des 18. Jahrhunderts war es üblich, die Werke zu nummerieren, wobei nicht immer die chronologische Reihenfolge eingehalten wurde. Und nicht alle Komponisten waren so bienenfleißig wie Mozart, der 23 Werke pro Jahr veröffentlichte.

Obwohl sich die Aka-Kursteilnehmerinnen und –teilnehmer mit klassischer Musik gut auskennen, fiel es ihnen nicht leicht, die Komponisten der Zwei-Minuten-Stücke zu erraten. „Für Beethoven zu brav“, hieß es. Doch tatsächlich stammte das „brave“ Opus 36 von dem großen Meister. Mit einem Streichtrio von Luigi Boccherini begann der Husarenritt durch die Musikgeschichte. Wilhelm Stenhammar (1902) zählte zu den ersten, die ihre Werke selbst interpretiert haben und von denen noch Tonkonserven vorhanden sind. Arnold Schönberg von der Wiener atonalen Schule hat nicht nur schräge Töne, sondern auch Wohlklänge produziert, wie seine „Lichtspielszene“ von 1929 beweist. Und Benjamin Britten brachte 1946 mit seinem Opus 34 Musikschülern die Klangwelt eines großen Orchesters bei: mit dem großartigen „The young person’s guide to the orchestra“.

So mancher war nach der unterhaltsamen Musikstunde so beschwingt und motiviert, dass er sich zuhause einige Stücke bei „youtube“ komplett anhörte.

Text und Foto: Petra Neumann-Prystaj