Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2017

„Aufklärung“ - das verborgene Potential

„Seit jeher versucht der Mensch die Welt um sich herum so zu begreifen, dass er selbstsicher darin existieren kann. Dazu benötigt er ein bestimmtes Wissen“. Mit diesem Zitat aus der Einleitung des Referats von Michael R. Luft berührte er die Lebensgrundlage aller Menschen. Aber dann begannen die großen Fragen und Abers.

Was ist die wahre Natur? Orientieren wir uns doch nur im Rahmen der erwünschten Anpassung? Woher kommen die Regeln der allgemein gültigen Weltanschauung, an denen wir uns orientieren? Aus welchem Material basteln wir unser Lebenskonzept?

Mit der bekannten Ermutigung Immanuel Kants „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ erzielte Luft die für das Thema notwendige Betroffenheit seiner Zuhörer im Wohnpark Kranichstein. Mit diesem klassischen Appell weckte er die Skepsis gegen den Einfluss von Ideologien und der Religion als Sonderform einer Ideologie. Heutige Glaubensvertreter haben es angesichts des Fortschritts der Wissenschaften immer schwerer, ihre Glaubenskonstrukte stabil zu halten. Luft stellt eine notwendige Ergebnisoffenheit gegenüber, wenn es um eine zeitgemäße Aufklärung gehen soll. Beispiele aus dem Mittelalter und von teilweise miterlebten Gesellschaften (das Dritte Reich, DDR sowie China, Nordkorea, Iran) verdeutlich(t)en, dass restriktive Weltbilder immer das Ziel haben, den Machterhalt egozentrischer  Autokraten auf Kosten der eigenen Bevölkerung zu sichern. Diese Machthaber, auch die klerikalen, sind in der Lage oder manchmal auch gezwungen, ihre Weltanschauungen zu beugen, um ihre Bedeutung zu behalten. Nicht selten rufen aufkommende Veränderung Krisen, Revolutionen oder Kriege hervor. Im persönlichen Bereich drohen die Machthaber mit drakonischen Strafen wie Hölle, Freiheitsentzug oder Tod. Aktuelle Beispiele sind Türkei und Russland. Es galt und gilt, die Abhängigen in ihrem Zustand  zu belassen.

Berechtigt ist die Frage, ob die Menschen die Aufklärung wirklich wollen. Zwar ist Wissenserweiterung in jeder Hinsicht attraktiv, aber die geistige Klammer an das von Kindheit an vermittelte und von den Erziehungsinstanzen vorgelebte Gläubigsein stellt das Gegenteil einer konsequenten Aufklärung dar. Kopierverhalten überwiegt Selbstbestimmung. Das Gefühl, die eigene Identität angekratzt zu sehen, setzt ein Gegenverhalten in Gang und führt schnell zu Frustempfinden. Offenbar verträgt der Mensch die Aufklärung sehr schwer, weil er meint, Identität und Geborgenheit dadurch zu verlieren. Die gesellschaftlich-verträglichen Verhaltensnormen stützen das kulturell eingeimpfte Denk- und Verhaltenskonzept. Nur im Experiment kann die Traditionsblindheit langsam abgelöst werden.

Gegen Ende der Veranstaltung stellte sich die Frage, wann ist jemand aufgeklärt. Lufts Ansatz, eine begründete Behauptung von der unbegründeten (also nur einer Meinung) unterscheiden zu können, weist in die Richtung eines Prozesses, der in der Person aufklärend wirken kann. Nachdenkenswertes Material dazu hat er – eine knappe Stunde lang – geliefert.

Walter Schwebel

 

„Aufklärung“  -  das verborgene Potential                

 

„Seit jeher versucht der Mensch die Welt um sich herum so zu begreifen, dass er selbstsicher darin existieren kann. Dazu benötigt er ein bestimmtes Wissen“. Mit diesem Zitat aus der Einleitung des Referats von Michael R. Luft berührte er die Lebensgrundlage aller Menschen. Aber dann begannen die großen Fragen und Abers. Was ist die wahre Natur? Orientieren wir uns doch nur im Rahmen der erwünschten Anpassung? Woher kommen die Regeln der allgemein gültigen Weltanschauung, an denen wir uns orientieren? Aus welchem Material basteln wir unser Lebenskonzept?

 

Mit der bekannten Ermutigung Immanuel Kants „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ erzielte Luft die für das Thema notwendige Betroffenheit seiner Zuhörer im Wohnpark Kranichstein. Mit diesem klassischen Appell weckte er die Skepsis gegen den Einfluss von Ideologien  und der Religion als  Sonderform einer Ideologie. Heutige Glaubensvertreter haben es angesichts des Fortschritts der Wissenschaften immer schwerer, ihre Glaubenskonstrukte stabil zu halten. Luft stellt eine notwendige Ergebnisoffenheit gegenüber, wenn es um eine zeitgemäße Aufklärung gehen soll. Beispiele aus dem Mittelalter und von teilweise miterlebten Gesellschaften (das Dritte Reich, DDR sowie China, Nordkorea, Iran) verdeutlich(t)en, dass restriktive Weltbilder immer das Ziel haben, den Machterhalt egozentrischer  Autokraten auf Kosten der eigenen Bevölkerung zu sichern. Diese Machthaber, auch die klerikalen, sind in der Lage oder manchmal auch gezwungen, ihre Weltanschauungen zu beugen, um ihre Bedeutung zu behalten. Nicht selten rufen aufkommende Veränderung Krisen, Revolutionen oder Kriege hervor. Im persönlichen Bereich drohen die Machthaber mit drakonischen Strafen wie Hölle, Freiheitsentzug oder Tod. Aktuelle Beispiele sind Türkei und Russland. Es galt und gilt, die Abhängigen in ihrem Zustand  zu belassen.

 

Berechtigt ist die Frage, ob die Menschen die Aufklärung wirklich wollen. Zwar ist Wissenserweiterung in jeder Hinsicht attraktiv, aber die geistige Klammer an das von Kindheit an vermittelte und von den Erziehungsinstanzen vorgelebte Gläubigsein stellt das Gegenteil einer konsequenten Aufklärung dar. Kopierverhalten überwiegt Selbstbestimmung. Das Gefühl, die eigene Identität angekratzt zu sehen, setzt ein Gegenverhalten in Gang und führt schnell zu Frustempfinden. Offenbar verträgt der Mensch die Aufklärung sehr schwer, weil er meint, Identität und Geborgenheit dadurch zu verlieren. Die gesellschaftlich-verträglichen Verhaltensnormen stützen das kulturell eingeimpfte Denk- und Verhaltenskonzept. Nur im Experiment kann die Traditionsblindheit langsam abgelöst werden.

 

Gegen Ende der Veranstaltung stellte sich die Frage, wann ist jemand aufgeklärt. Lufts Ansatz, eine begründete Behauptung von der unbegründeten (also nur einer Meinung) unterscheiden zu können, weist in die Richtung eines Prozesses, der in der Person aufklärend wirken kann. Nachdenkenswertes Material dazu hat er – eine knappe Stunde lang – geliefert.

 

 

Walter Schwebel