Knapp 100 Jahre Zeitgeschichte in Darmstadt versprach Petra Neumann-Prystaj in ihrer Einführung zur Lesung von Barbara Zeizinger aus ihrem im Januar 2025 erschienenen Buch „Leben in Etagen“. Die Moderatorin stellte die Darmstädter Autorin und ihren Lebensweg im Literaturhaus den Aka-Mitgliedern und Gästen kurz vor und vertiefte einige Aspekte im Gespräch mit der Autorin.
„Leben in Etagen“ erzählt die Geschichte von vier Familien eines fiktiven Darmstädter Hauses in den Jahren 1931 bis 2020, darunter eine jüdische Familie. Eine Antwort auf die Frage, was aus ihr geworden ist, verraten erst die letzten Seiten des Romans, durch einen Brief aus Haifa.
Vor dem Hintergrund der tatsächlich historischen Ereignisse stellt die Autorin die Frage, welche Einfluss und Auswirkungen die Geschichte auf das Leben dieser Familien haben. Für die Zuhörer/-innen tauchten bekannte Orte in Darmstadt auf oder Ereignisse, die man selbst miterlebt hatte.
Für das Recherchieren und Schreiben des Romans brauchte die Autorin ungefähr drei Jahre. Hervorzuheben sind die sehr aufwändigen Recherchearbeiten und das Heranziehen von Experten. Barbara Zeizinger geht das Thema journalistisch an, Journalistin war ihr Berufswunsch, bevor sie sich aus familiären Gründen dem Lehrberuf zuwandte – und später dem Schreiben. Der vorliegende Roman ist das siebte Buch der Autorin (drei Lyrikbände, vier Romane) im Pop Verlag. Als Lyrikerin arbeitete sie mit dem Maler Eberhard Malwitz zusammen, er gestaltete auch das Umschlagbild zu diesem Roman.
Nicht als Mitleidende, sondern als Beobachtende setzt sich die Autorin mit den vier Zeitetagen auseinander. Jede Zeit prägt die Menschen und ihr Verhalten. Barbara Zeizinger las aus jedem der vier Teile, typische Szenen aus bzw. in Darmstadt.
Der erste Teil beschäftigt sich mit der jüdischen Familie Simon. Sie leidet unter dem aufkommenden Nationalsozialismus und zunehmenden Antisemitismus 1931 bis 1934. Im zweiten Teil kämpft Luise mit den Herausforderungen im zerstörten Darmstadt und der Verbitterung ihres Mannes Hermann über den verlorenen Krieg (1945 -1953). Manche Zuhörer/-innen konnten sich noch an die beschriebene Eröffnung des Kaufhofes erinnern. Der dritte Teil behandelt das Geschehen in der Mitte der siebziger Jahre. Durch beim Umbau des Hauses gefundene Unterlagen ihrer Mutter beginnt Susanne die Vergangenheit ihrer Eltern zu erforschen. Der vierte Teil führt in die heutige Zeit und in die Anfänge von Corona. Erst hier schließt sich der Kreis zum ersten Kapitel.
Gefragt nach ihren Lieblingspersonen im Roman nennt Frau Zeizinger die starken Frauen der Nachkriegszeit in Teil 2. Sie verdienen ihre Bewunderung.
Eine gelungene Lesung! Es hätten ein paar mehr Zuhörer/-innen sein dürfen. Aber an diesem Tag war Darmstadt in Schnee gehüllt und das winterliche Wetter hielt sicher einige Interessierte fern.
Text: Sigrid Geisen / Fotos: Gerald Block / 26.01.2026




