Ein Ausflug zu den Windrädern auf der Neutscher Höhe
Eine größere Gruppe von Aka Mitgliedern nutzte die Gelegenheit, Windräder vor Ort zu erkunden. Mit Bernhard Hein besichtigten wir die Windräder auf der Neutscher Höhe, oberhalb von Seeheim gelegen.
Windenergieanlagen sind eine gute Ergänzung zur Solaranlagen, welche primär in den Sommermonaten Energie erzeugen. Wind dagegen dominiert in den kühleren Monaten.
Herr Hein ist Ingenieur und Mitglied einer privaten Initiative, die sich sehr früh für alternative Energiequellen engagierte. Sie bauten Anfang der 90ger Jahre die ersten drei Windräder auf der Neutscher Höhe, unterstützt von der Gemeinde Neutsch und öffentlichen Mitteln.
Wir fuhren zunächst zu einem dieser älteren Windräder und erfuhren mehr über die Technik. Der hohe Turm sorgt dafür, dass das Windrad in großer Höhe installiert ist, wo der Wind stärker und gleichmäßiger weht. Der Turm ist meist aus Stahl gefertigt. Oben sitzt die Gondel. Als optimal haben sich drei Rotorblätter (Flügel, ähnlich wie bei Flugzeugen) erwiesen. Bei Wind entsteht ein Auftrieb, der die Rotorblätter dreht. Die Drehungen des Rotors werden über eine Welle in die Gondel übertragen, ein Generator erzeugt den Strom, welcher über Kabel nach unten geleitet wird. Ein externer Transformator passt die Spannung an und der erzeugte Strom wird ins öffentliche Stromnetz abgegeben. Moderne Anlagen können tausende Haushalte mit Strom versorgen.
Wichtig ist die Standortwahl. Das Windangebot bestimmt den Ertrag. Die Leistung steigt überproportional, etwa in der dritten Potenz, mit der Windgeschwindigkeit. Die besten Bedingungen für Windräder bestehen in Norddeutschland und auf dem Meer (Offshore Anlagen). Zu Wohngebieten sind gesetzlich vorgeschrieben Abstände einzuhalten und der Schutz der Natur ist zu gewährleisten. Dazu werden regional Windvorranggebiete ausgewiesen.
Der Blick in den Innenraum des 50 m hohen Turms war nicht sehr spektakulär. Im engen Raum führt eine Leiter nach oben, in 3 m Höhe liegt ein Plateau, die Decke des Raums. Bei den alten Türmen sind die Rotorblätter oben fest verankert, also nicht drehbar. Sie werden weitgehend automatisch gesteuert. Bei zu geringer Windstärke werden die Rotoren abgestellt, da der Ertrag zu gering ist und unnötiger Verschleiß vermieden wird, bei Sturm wird das Windrad gebremst.
Die alten Windräder laufen seit 1994 sehr zuverlässig und ohne viele Reparaturen, sie werden zweimal jährlich gewartet. Wie gesetzlich vorgeschrieben, werden Rücklagen für den vollständigen Abbau am Ende des Betriebs gebildet.
Wir besichtigten anschließend noch eins der neueren, 2011 errichteten Windräder. Diese Türme sind mit 100 m deutlich höher. Die Technik ist weiter fortgeschritten, z.B. drehen sich die Rotorblätter automatisch in die Windrichtung, damit der Ertrag optimiert wird. Sie erzeugen im Vergleich zu den alten Windrädern mehr als die dreifache Menge Strom. Auch die neuen Windräder wurden privat finanziert, inzwischen von der Energiegenossenschaft „Starkenburg“.
Text und Fotos: Christiane Schuchard-Ficher / 07.02.2026




