Rebekka König erzählte von ihrem Alltag als Theatervermittlerin
Mit der Theatervermittlerin Rebekka König setzte Aka-Kursleiterin Patricia Gropp ihre Reihe über „Theatermenschen“ fort. Damit ermöglicht sie den Teilnehmern ihres Kurses einen Blick hinter die Kulissen des Staatstheaters auf jene Solisten und Berufsgruppen, ohne die es keine Schauspielaufführungen und Opern gäbe. Rebekka König ist 26 Jahre alt und eine von 500 im Staatstheater beschäftigten „Theatermenschen“.
In Frankfurt hat die Tochter eines in Darmstadt wohnenden Pfarrerehepaars Kunstgeschichte mit der Absicht studiert, später in einem Museum zu arbeiten. Aber die Corona-Zeit wirbelte ihre Pläne durcheinander. Die junge Studentin bewarb sich initiativ beim Staatstheater um einen Job und konnte sich ab November 2021 beim Abendservice etwas Geld verdienen. Dabei kam sie mit dem Theater in Berührung und merkte: „Das ist meine Welt!“ Sie war fasziniert von „so viel Kreativität!“
Seit Juli 2023 hat sie eine feste Stelle in der Abteilung „Mitmachen und Vermittlung“. Sie sieht sich alle Stücke und alle Opern an, führt Klassen durch den Backstage-Bereich und informiert sie über die Theaterberufe. Sie organisiert Probenbesuche für verschiedene Gruppen mit Vor- oder Nachbesprechung sowie kleinere Events. „Jeder Tag ist anders“, beschreibt sie ihr abwechslungsreiches Berufsleben. Es besteht zu 50 Prozent aus Büroarbeit und zu 50 Prozent aus ganz vielen Gesprächen und Netzwerkarbeit. Regelmäßig tauschen sich die Theatervermittler aller Bühnen aus dem Rhein-Main-Gebiet über die dort gespielten Stücke aus.
Bei Diskussionen – etwa mit Schülern – verteidigt Rebekka König auch Inszenierungen, die nicht den Geschmack der Jugendlichen oder ihren eigenen treffen. Sie tut dies mit Fingerspitzengefühl. „Der Hang zu Extremen ist bei Theatern gerade im Trend“ gibt sie im Hinblick auf jüngste Darmstädter Inszenierungen zu. Zum Beispiel das „Adamfressen“ beim Zerbrochnen Krug: Da wird Dorfrichter Adam zu guter Letzt verspeist – anders, als es sich Heinrich von Kleist jemals vorgestellt hat. Wenn ein Werk beim Publikum nicht ankommt, wird es abgesetzt. So geschehen beim Ekel-Stück „Seid nett zu Mr. Sloane“, das es nur zu drei Aufführungen gebracht hat. Land und Stadt subventionieren das Staatstheater kräftig, nur etwa 15 Prozent der Betriebskosten werden durch die Einnahmen aus Ticketverkäufen gedeckt.
Rebekka König bevorzugt Musical- und Tanzvorführungen. „Diese Produktionen haben immer Qualität, dabei kann man immer einen tollen Abend haben“, schwärmt sie. Überstunden am Staatstheater sind für sie und ihre Kollegen die Regel. Trotzdem hat sie sich für eine Zusatzaufgabe in der Theaterwerkstatt entschieden, in der Schauspieler und Laien gemeinsam ein Stück erarbeiten. Sie will sich beim Entwickeln eines geplanten Stücks nach dem Roman „Wetter“ von Jenny Offill einbringen. Das Schreiben macht ihr Spaß. Obwohl sie das Theater so liebt, verspürt sie nicht den Drang, einmal selbst auf der Bühne zu stehen. Aber das kann sich ja noch ändern.
Text und Foto: Petra Neumann-Prystaj




